Tierversuchsstatistik 2009

Stellungnahme des Schweizer Tierschutz STS zur >> Tierversuchstatistik 2009 des Bundesamtes für Veterinärwesen BVET vom 29. Juni 2010.

Auch das Jahr 2009 war für 706`104 Tiere in Schweizer Tierversuchen ein trauriges Jahr, für die meisten endet es nach vielen Qualen und haltungsbedingten Einschränkungen mit dem Tod. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtzahl verbrauchter Tiere durch Tierversuche nur unwesentlich gesunken (- 3,5 %). Hingegen ist der Tierverbrauch in den schwerbelastenden Versuchen des höchsten Schweregrades (SG 3) um 12% von 15`500 auf 17`500 gestiegen. Das bedeutet, dass in der Schweiz täglich fast 50 Tiere unsägliche Qualen im Dienste der Menschheit über sich ergehen lassen müssen. Darunter sind, im Gegensatz zum Jahr 2008, wieder Primaten, vermehrt Hunde und Kaninchen, sowie Schafe, Ziegen und vor allem auch Schweine. Für die ökotoxikologischen Untersuchungen wurden mehr als doppelt so viele Fische im Schweregrad 3 im Vergleich zum Vorjahr eingesetzt und insgesamt stieg die Anzahl verwendeter Fische im Tierversuch auf über 46`000 Tiere. Den grössten Anteil der im Tierversuch verbrauchten Tiere machen nach wie vor Mäuse und Ratten aus – auch hier stieg die Anzahl Tiere im höchsten Schweregrad.

Fast 50 % der Tierversuche fanden, wie auch in den letzten Jahren, in der Grundlagenforschung statt, davon für knapp die Hälfte aller Tiere in der industriellen Forschung und für mehr als ein Drittel an Hochschulen und Spitälern. In der Grundlagenforschung wird ohne bestimmten Zwang und Zweck geforscht – auf konkreten Erkenntnisgewinn wartet man meist vergebens – damit unterscheidet sie sich klar von der angewandten Forschung. Bei schwerbelastenden Tierversuchen werden die Tiere mit starken Schmerzen, andauerndem Leiden, schweren Schäden, schwerer Angst oder erheblicher und dauernder Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens belastet (darunter fallen tödlich verlaufende Infektionskrankheiten und Krebsleiden ohne vorzeitige Euthanasie oder chirurgische Eingriffe mit starken postoperativen Schmerzen, Leiden oder Störungen des Allgemeinzustands z.B. nach Gelenktransplantationen, Organtransplantationen, Eröffnen der Brusthöhle, Darmresektionen, Erzeugen von Magenfisteln, Implantieren von Elektroden oder Langzeitkathetern ins Gehirn, Bestrahlungen und Verbrennungen, Chemotherapien, u.a.m.). Auch die toxikologischen Tests sind schwerbelastend: Die Tiere sterben meist unter unvorstellbar grausamen Bedingungen wie starken Schmerzen, Krämpfen, unstillbaren Blutungen, massivster Atemnot, schwerem Durchfall und Erbrechen, sowie Angstzuständen und Panikattacken. Der Tod erlöst die Tiere schliesslich von ihren Qualen.

Zu den bereits laufenden 3329 Tierversuchsbewilligungen wurden weitere 1051 Bewilligungen neu erteilt – davon wurden nur gerade 10 Gesuche abgelehnt, was auf eine lasche und durchlässige Bewilligungspraxis schliessen lässt.

Nicht vergessen darf man bei all den Zahlen, dass die Versuchstiere meist nicht artgerecht gehalten werden und bereits ohne Tierversuch schwer belastet sind.

Dr. med. vet. Julika Fitzi, Schweizer Tierschutz STS, Fachstelle Tierversuche & Gentechnologie

Mehr Information zum Thema Tierversuche unter
>>
www.tierschutz.com/tierversuche (mit NewsTicker)

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