Jägerlatein

Ob einer als Tierschützer oder Tiernutzer unterwegs ist: Es nervt, wenn Menschen im Brustton der Überzeugung Dinge von sich geben, die einem Fakten-Check nicht standhalten. Es nervt, wenn Menschen glauben, beim Missionieren heilige der Zweck die Mittel und man könne deshalb dem Gegenüber Unwahrheiten erzählen, um ihn auf die eigene Seite zu ziehen. Beispiel gefällig? In einem Interview mit der Thurgauer Zeitung gab letzte Woche Jägerobmann Jakob Regez, Thurgau, zu Protokoll, am stark geschwundenen Feldhasenbestand seien die Füchse schuld. Dabei waren es anerkanntermassen die zwischen 1960 bis 1990 betriebene, jahrzehntelange Ausräumung der Landschaft und die Intensivlandwirtschaft, welche unseren Hasen den Lebensraum entzogen haben. Hoffen wir deshalb, dass die heutige IP- und Bio-Landwirtschaft den Feldhasen eine neue Chance bieten.

Purer Unsinn war auch die Behauptung des Jagdobmannes, die Baujagd sei die effizienteste Jagdmethode zur Fuchsregulierung. Bei der Baujagd werden scharf gemachte Kleinhunde in die Wohnstätte von Fuchs und Dachs gehetzt. Dabei kommt es immer wieder zu schwersten Verletzungen bei den Tieren. Kein Wunder lassen die allermeisten Jäger ihre Hunde nicht in Bauten. Schweizweit werden denn auch kaum mehr als 5% der Füchse mit dieser grausamen , überholten und unnötigen Methode zur Strecke gebracht.

Übrigens: Selbst die extrem brutale und schweizweit durchgeführte Vergasung von Fuchsbauten zur Tollwutbekämpfung in den 1960er Jahren konnte weder den Fuchsbestand regulieren noch die Tollwut wirkungsvoll eindämmen. Erst das schonende Impfverfahren von Füchsen mit präparierten Hühnerköpfen war zum Nutzen von Mensch und Tier später erfolgreich.

Fazit: Wenn Jagdobmann Jakob Regez so schlecht schiesst, wie er Bescheid weiss über jagdkundliche Themen, müsste ihm die Thurgauer Regierung umgehend den Waffenschein abnehmen!
Hansuli Huber

3 Reaktionen zu “Jägerlatein”

  1. Jägerlatein | News aus Indemini und Region

    […] Lesen… […]

  2. Roger

    …hier gibt es wohl etwas richtig zu stellen.
    Herr Regez hat nie behauptet, dass der Fuchs schuld am geringen Hasenbestand sei. Im Artikel der Thurgauer Zeitung von 13.1.10 steht;
    “Neu im Kanton sei der Hase geschützt. Für diese Tiere sei aber nicht der Mensch der grösste Feind, sondern der Fuchs.”

    Dass die Landwirtschaft in früheren Jahren auch das ihre dazu bei gebracht habe, hat Herr Ragez im Artikel ja gar nicht bestritten.
    Das ist Ihre behauptung Herr Huber, welche ja auch richtig ist.

    Das die Füchse nebst anderen Tieren wie Greifvögel und Wildschweine einer der grössten Fessfeinde der Hasen sind, ist ein Fakt.
    Eine entsprechende regulierung des Fuchsbestandes ist hier sicher angebracht. Mit welcher Methode dies geschieht, ist den Fachleuten überlassen.

    Übrigens Baujagdhunde werden nicht scharf gemacht, sondern Abgeführt oder Ausgebildet. Sie werden auch nicht in den Bau gehetzt, sondern sie machen es freiwillig, weils es ihr natürlicher Jagdtrieb ist.

    So Herr Huber, es stellt sich hier wirklich die Frage wer Bescheid weiss oder nicht und wem man welche Bewilligung abnehmen soll.

  3. Hansulrich

    Sehr geehrter Roger,
    wenn jemand sagt, für diese Tiere (Z.B. Hase) sei nicht der Mensch der grösste Feind sonder der Fuchs, dann gibt es daran nichts zu deuteln und zu verwedeln.
    Und wenn Herr Regez es nicht so gemeint hat, dann müsste er es halt richtigstellen. Fachlich, wildbiologisch ist es auf jeden Fall falsch.
    Ihr Jägerlatein punkto Baujagd kann nicht davon ablenken, dass diese Jagdform grausam und veraltet ist, eine pure und unnötige Tierquälerei. Man muss schon ziemlich schizophren veranlagt zu sein, sich als Heger+Pfleger der Wildtiere auszugeben und Tiere dann auf eine derartig grausame und unfaire Art und Weise zu jagen. Die mir bekannten Jäger tun jedenfalls sowas nicht!
    Beste Grüsse Hansuli Huber

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